Wort des Lebens Dezember 2017

„Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Eine junge Frau in einem Randgebiet des mächtigen Römischen Reiches bekam unerwarteten Besuch, mit dem sich alles für sie veränderte: Ein Gesandter Gottes überbrachte eine Botschaft und erwartete eine Antwort.
Der Engel sprach sie als „Begnadete“ an, er enthüllte ihr die Liebe Gottes zu ihr und erbat ihr Zutun, damit sich erfüllen konnte, was Gott mit der Menschheit vorhat.
Maria öffnete sich staunend und freudig dieser Begegnung mit dem Herrn und begab sich ihrerseits mit ganzer Hingabe auf den Weg ins Unbekannte, voller Vertrauen auf die Liebe Gottes.
Indem sie großzügig „Mir geschehe“ sagte, stellte sich Maria entschieden in den Dienst Gottes und der Menschen und wurde so für alle ein leuchtendes Beispiel.

„Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

In einer Meditation zu diesem Wort aus dem Evangelium schrieb Chiara Lubich*: „Um seine Pläne auszuführen, braucht Gott Menschen, die sich ihm in aller Demut und mit der Bereitschaft zu dienen überlassen. Stellvertretend für die Menschheit gibt Maria mit ihrer Haltung Gott Raum für sein schöpferisches Handeln. Die Bezeichnung ‚Diener des Herrn’ beziehungsweise ‚Magd des Herrn’ ist allerdings nicht nur ein Ausdruck der Demut, sondern auch ein Ehrentitel, der den großen Gestalten der Heilsgeschichte zuerkannt wurde: Abraham, Moses, David und den Propheten. Wenn Maria diesen Begriff übernimmt, wird darin auch ihre Größe deutlich.” (1)

„Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Auch wir können Gott in unserem Leben finden und jenes „Wort“ hören, das er an uns richtet. Er will uns zeigen, wie wir hier und jetzt unseren Mosaikstein beitragen können, damit ein Bild der Liebe entsteht. Auch wenn unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten sich uns in den Weg stellen, denken wir an das Wort des Engels: „Denn für Gott ist nichts unmöglich“ (2) und vertrauen wir mehr auf ihn denn auf unsere Kräfte.
Das wird uns von Zwängen und Selbstgenügsamkeit befreien, ungeahnte Kräfte freisetzen und uns schließlich fähig machen, unsererseits zu lieben.
Ein Ehepaar erzählt: „Seit Beginn unserer Ehe haben wir Eltern und Geschwister von Kindern aufgenommen, die im örtlichen Krankenhaus waren. Es sind bis jetzt über hundert Familien, und wir haben immer versucht, für sie da zu sein. Gott hat uns mit seiner Vorsehung oft geholfen, diese Aufgabe auch finanziell durchzustehen, aber wir mussten den ersten Schritt machen. Kürzlich haben wir Geld bekommen und beschlossen, es auf die Seite zu legen, da es sicher für jemanden dienlich werden würde. Und tatsächlich ist unsere Hilfe kurze Zeit später erbeten worden. Es ist wie ein Spiel der Liebe Gottes und wir müssen nur mitspielen.“

„Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Um nun dieses Wort des Evangeliums zu leben, schlägt Chiara Lubich vor, wie Maria zu handeln: „Nehmen wir es mit großer Offenheit an! Es ist nicht das Wort eines Menschen, es ist Wort Gottes, und Christus ist in ihm gegenwärtig. Nehmen wir also Christus durch sein Wort in uns auf und setzen es mit größter Bereitschaft in allen Situationen in die Tat um. Wenn wir so handeln, wird die Welt wieder Christus auf den Straßen unserer Städte begegnen, Christus in uns, gekleidet wie alle anderen, der in Büros arbeitet, in Schulen, an den verschiedensten Orten, mitten unter den Menschen.” (3)
In diesen Tagen der Vorbereitung auf Weihnachten können wir versuchen, uns wie Maria Zeit mit Gott zu nehmen und auf seine Worte im Evangelium zu hören.
Suchen wir seine Stimme in unserem Gewissen, das so vom Wort erleuchtet und aufmerksam wird für die Bedürfnisse und Nöte derjenigen, denen wir begegnen.
Fragen wir uns: Wie kann ich heute Jesus bringen, um in meiner Welt dazu beizutragen, aus dem Nebeneinander die Menschheitsfamilie zu machen?
Auf unserem „Mir geschehe“ kann Gott den Frieden um uns säen und die Freude in unseren Herzen wachsen lassen.

Letizia Magri
 

(1) Chiara Lubich: Kommentar zum Wort des Lebens, Dezember 1981
(2) Vgl. Lukas, 1,37
(3) Chiara Lubich: ebd.


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