24 Stunden für den Frieden unterwegs
Am 3. Mai versammelten sich rund 120 Personen auf dem Anwesen Château de Montet in der Freiburger Region Broye, um an einer neuen Ausgabe des Run4Unity teilzunehmen. Diese Initiative, organisiert von der Fokolar-Bewegung der Westschweiz und der Region Bern, war Teil der „Woche der geeinten Welt“, die jedes Jahr vom 1. bis 7. Mai in vielen Ländern stattfindet, um das Bewusstsein für Frieden und Geschwisterlichkeit zu schärfen.
Vor dem Start berichtete der Schweizer Bergsteiger Louis Bétrisey von seinen Erfahrungen mit dem Sport als Schule der Ausdauer, des Respekts und der Selbstüberwindung. Sein Zeugnis gab den Startschuss für den gemeinsamen Lauf: Eine Stunde lang gingen oder liefen die Teilnehmenden gemeinsam auf einer Strecke mitten in der Natur, um ihr Engagement für den Frieden konkret zum Ausdruck zu bringen. Wie an über 100 anderen Orten weltweit war die Initiative Teil einer globalen Solidaritätskette: Von einer Zeitzone zur nächsten lösen sich Gruppen ab, damit 24 Stunden lang ununterbrochen Menschen für den Frieden unterwegs sind. Insgesamt wurden rund 450 Kilometer zurückgelegt, als konkretes Zeichen dieses gemeinsamen Engagements.
Einer der Höhepunkte des Treffens war die Vorstellung der Goldenen Regel: „Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest», die von einem Jugendlichen vorgeschlagen und durch mehrere Erfahrungsberichte von Jugendlichen und Erwachsenen ergänzt wurde. Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden eine „Friedensausstellung“ mit mehr als zehn interaktiven Ständen entdecken: Ausmalen von Mandalas als Geschenk für einsame Menschen, Gemeinschaftsspiele, Tänze verschiedener Kulturen, ein Workshop zu den Rechten der Kinder sowie Räume für Austausch und Reflexion. Unter diesen Angeboten übermittelte eine muslimische Teilnehmerin eine Botschaft von Dr. Mohammad Ali Shomali von der Islamischen Universität Qom, einem bedeutenden theologischen Zentrum im Iran, über die Goldene Regel in der islamischen Tradition. Zusammen mit einer Christin leitete sie anschließend einen Workshop zum Thema Dialog. Sie brachte ihre Freude darüber zum Ausdruck, „in Einfachheit“ einen Moment des tiefen und bereichernden Austauschs erlebt zu haben.
Der von Chung Wen, die dem buddhistischen Glauben angehört, geleitete Workshop zum „Würfel der Liebe“ in der buddhistischen Tradition regte ebenfalls zu zahlreichen Gesprächen an. Dort stellte sie vom Buddhismus inspirierte Zitate zur „Kunst des Liebens“ vor – einer Haltung, die von Wohlwollen, Zuhören und Achtsamkeit gegenüber dem anderen geprägt ist. Vor der gesamten Versammlung teilte Chung Wen ihre Freude darüber, hier eine echte Geschwisterlichkeit erlebt zu haben, jenseits aller Unterschiede.
Die Vielfalt der Anwesenden vermittelte ein konkretes Bild des Dialogs, der während dieses Treffens gelebt wurde. Den ganzen Tag über konnte jeder und jede nach seinen Fähigkeiten einen Beitrag leisten, auch die Jüngsten, die den ganzen Saal zu mehreren fröhlichen Tänzen mitrissen. Unter den gesammelten Erfahrungsberichten fand der eines methodistischen Pastors, der mit seiner ganzen Familie gekommen war, besonderen Anklang: „Nach einem Tag wie diesem geht man nicht so wieder weg, wie man gekommen ist.“
Zusammen mit Gemeinde und Pfarrei
Das Treffen wurde auch dank der großzügigen Unterstützung der Gemeinde ermöglicht, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, sowie dank des Engagements der Gruppe „God Vibes“ der katholischen Pfarrei Les Montets. Die Mitglieder dieser Gruppe, die sich intensiv an den Vorbereitungen beteiligt hatten, trugen zur Gastfreundschaft und zur herzlichen Atmosphäre der Veranstaltung bei.
Am Ende dieses Tages gingen viele mit der Überzeugung nach Hause, dass der Dialog nicht nur eine Idee ist, sondern eine konkrete Erfahrung, die man jeden Tag leben kann. Das Motto des Run4Unity, „Entscheide dich für den Dialog“, fand in Montet einen einfachen und leuchtenden Ausdruck: den Ausdruck unterschiedlicher Menschen, die sich die Zeit nehmen, sich zu begegnen, einander zuzuhören und gemeinsam auf den Frieden zuzugehen.
Text: Alice Frléchoz