Gelebte Gschwisterlichkeit - Australien, Brasilien, Madagaskar

Etwas, was wir in diesen Monaten der Pandemie gelernt haben, ist, dass das Leben – unseres und auch jenes unserer Gemeinschaften – auch unter schwierigen Bedingungen nicht stehenbleibt. Es kommt darauf an „wie“ wir die Dinge tun und wie wir die Situationen angehen ...

Australien

Ich bin Krankenpfleger und arbeite auf einer Intensivstation in Melbourne mit Patienten, die künstlich beatmet werden.
Als ich erfuhr, dass ich positiv auf Covid-19 getestet worden bin, war ich total geschockt und alles in mir bäumte sich auf. Ich hatte die Übertragung des Virus auf unserer Station für praktisch unmöglich gehalten, da wir immer die Schutzmaßnahmen sehr gewissenhaft befolgten.
Während der ersten Woche in Isolation war ich unruhig und fragte mich, warum Gott das zugelassen hatte. Da kamen mir einige Begebenheiten am Arbeitsplatz in den Sinn,  die mir Frieden geschenkt hatten. Einmal, als ich eine verstorbene Patientin zu Recht machen musste, sagte man mir, ich solle das schnell erledigen, um das Risiko einer Ansteckung möglichst gering zu halten. Ich dachte: Aber diese Patientin ist die Mutter, die Schwester oder Ehefrau von jemandem. Unabhängig von der Covid-Situation musste diese Person ordentlich gewaschen und sorgfältig hergerichtet werden. Am Ende dieser Nachtschicht hatte ich den Eindruck, das Richtige getan zu haben und konnte ruhig schlafen.
Manchmal blieb ich länger im Zimmer der Covid-Patienten als vorgesehen, um ein wenig mit ihnen zu sprechen, denn viele waren aufgrund der langen Isolation depressiv.  
Am Ende der Arbeit war ich jeweils todmüde. Aber ich konnte meine Müdigkeit Gott anbieten für die Patienten, die viel mehr erleiden mussten.
Dann wieder der Gedanke: Warum wurde gerade ich – bei all meinen Bemühungen, zu lieben –  mit diesem tödlichen Virus angesteckt? Da schien es mir, ein wenig zu verstehen. Gott ist Liebe und voller Barmherzigkeit. Beim Nachdenken über Jesus am Kreuz fand ich die Antwort. Gott hat einen besonderen Plan mit jedem von uns. Auch wenn ich diesen Plan nicht verstehe und in Zukunft weitere Prüfungen durchstehen muss, wird mir Gott die Gnade dazu geben. Das hat mir neuen Frieden geschenkt.

Brasilien

Ich möchte euch eine kleine Erfahrung erzählen, die ich als Gen3 zu unserer Aktion DARE TO CARE – Mut, für andere da zu sein – gemacht habe. Zu Beginn der Pandemie wollte ich anderen helfen, aber ich hatte dazu weder Mittel noch Geld. Schon länger verspürte ich den Wunsch, Blut zu spenden. Also entschied ich mich dazu und meldete mich telefonisch an. Danach fühlte ich mich sehr glücklich. Ich konnte mir zwar nicht erklären weshalb, aber dieses Glück kam von innen. Beim Blutspenden erfuhr ich dann, dass ich mit wenigen Milli-Liter Blut bis zu vier Menschen helfen kann. Wow, das schien mir unglaublich! Wie kann so was Kleines eine so große Wirkung haben! Nicht wahr? Das ist meine Erfahrung.

Madagascar

Als mir der Arzt mitteilte, dass ich das Coronavirus hatte, war ich verzweifelt. Zu Hause angekommen, hatten meine Töchter schon einen Raum für die Isolation vorbereitet. In mir kamen Zweifel, Ängste, Traurigkeit und Besorgnis um meine Familie auf ...
Ein paar Tage später wurden auch eine meiner Töchter und mein Mann positiv getestet. Es war sehr schwer für uns. Wir mussten viele Medikamente einnehmen. Da erinnerte ich mich an die Worte des Apostels Paulus, dass, wer auf Gott vertraut, siegen wird. Also legten wir alles in Seine Hände.
In unserer Stadt waren die Medikamente, die wir brauchten, ausgegangen, die  wir uns zudem fast nicht leisten konnten. So baten wir einen Verwandten, der in der Hauptstadt wohnt, um Hilfe. Mit einem Kurier ließ er uns die Medikamente zukommen.
Als wir das Paket öffneten, waren wir sehr überrascht, denn es enthielt auch Medikamente, die wir nie hätten kaufen können. Das war für uns eine Bestätigung, dass, wenn wir auf Gott vertrauen, er entsprechend wirken kann.

 

 

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