Wort des Lebens März 2026

„Steht auf und fürchtet euch nicht!“ (Matthäus 17,7)

Drei seiner Jünger – Petrus sowie die beiden Brüder Jakobus und Johannes – nimmt Jesus mit hinauf auf einen hohen Berg (Matthäus 17,1–8). Dort wird er vor ihnen verwandelt: Sein Angesicht und seine Kleider werden leuchtend weiß wie die Sonne. Und es erscheinen zwei zentrale Gestalten des Alten Testamentes: Mose und Elija. Schließlich werden sie von einer Wolke überschattet, aus der eine Stimme zu ihnen spricht: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören!“ (Matthäus 17,5 Zürcher Bibel) Darauf werfen sich die drei Jünger zu Boden „und fürchteten sich sehr“. Diese Reaktion der drei Männer gibt uns einen Schlüssel zum Verständnis des Geschehens. Denn die „Furcht“ der Jünger und das Niederfallen sind die erwartbaren menschlichen Reaktionen auf das Erscheinen Gottes. Auch Mose, zu dem Gott aus dem Dornbusch spricht, verhüllt sein Angesicht, da er „sich fürchtet“, zu Gott hinzublicken (Exodus 3,6). 
    Die biblischen Texte umschreiben damit das Überwältigende der Erfahrung Gottes. Gott übersteigt unsere menschliche Wahrnehmungskraft und Erkenntnisfähigkeit, und doch teilt er sich uns mit und macht sich uns erfahrbar. Und diese Erfahrung der Mitteilung und Gegenwart Gottes hat eine verwandelnde Kraft. Wir sind danach nicht mehr dieselben wie vorher. Mose etwa sucht nach der Begegnung mit Gott am Dornbusch das Gespräch mit dem Pharao, vor dem er vorher geflohen ist. Von den drei Jüngern, die mit Jesus auf den Berg steigen, wird nichts Derartiges berichtet. Und doch werden auch sie verändert von dem Gipfel hinuntersteigen. Die Aufforderung Jesu leitet über zu diesem Danach, das anders ist als das Davor:

„Steht auf und fürchtet euch nicht!“

    Aufzustehen bedeutet für die drei Jünger auf dem Berg folglich zunächst einmal, sich bewusst zu werden, dass die außerordentliche Erfahrung zu Ende ist – und dennoch weiterwirkt. Zugleich birgt das hier verwendete griechische Verb eine tiefere Bedeutung, denn es ist dasselbe Wort, das die Bibel auch für die Auferstehung Jesu verwendet. Im unmittelbaren Erzählzusammenhang zur Verklärung auf dem Berg beginnt Jesus seinen Jüngern anzukünden, dass er nach Jerusalem hinaufziehen und dort getötet, aber dann von den Toten auferstehen werde (Matthäus 16,21; 17,22–23). In der Aufforderung Jesu an die Jünger aufzustehen, können wir, die Leserinnen und Hörer des Evangeliums, einen Bezug zur Auferstehung Jesu erkennen: Auch die Jünger werden verwandelt – sie erhalten Anteil an der Auferstehung Jesu.

„Steht auf und fürchtet euch nicht!“

    Der Bezug zur Auferstehung Jesu wird zudem dadurch verdeutlicht, dass in der letzten Erzählung im Matthäusevangelium die Jünger – diesmal die elf Apostel (ohne Judas) – Gott erneut auf einem Berg erfahren: Der Auferstandene zeigt sich ihnen und sendet sie aus, in der ganzen Welt von ihm Zeugnis zu geben (Matthäus 28,16–20).
    Für uns ereignen sich starke Gotteserfahrungen wohl typischerweise im Kontext gelebter gegenseitiger Liebe, die eine intensive Verbundenheit hervorbringen, so dass wir im Rückblick sagen können: Da war Jesus in unserer Mitte (vgl. Matthäus 18,20). Es sind dies zugleich Erfahrungen, die uns erleben lassen, dass der Auferstandene in uns lebt. Wie die Jünger sind auch wir verwandelt worden, denn wir sind – bildlich gesprochen – vom Tod ins Leben übergegangen.

„Steht auf und fürchtet euch nicht!“

    Das „Wort des Lebens“ enthält damit eine starke Zusage an jede und jeden von uns: „Der Auferstandene lebt in dir!“ Auch wenn Gipfelerlebnisse der intensiven Gotteserfahrung in unserem Leben möglicherweise nicht zahlreich sind, wirken solche Ereignisse dennoch fort und prägen vielleicht gar unser ganzes weiteres Leben. Wir sind nicht mehr dieselben wie zuvor und können immer wieder neu aus der Erinnerung daran schöpfen und uns bestärken lassen.

- Wo und wann habe ich in meinem Leben eine intensive Gotteserfahrung gemacht?
- Wie kann ich im täglichen Leben aus Erlebnissen der besonderen Nähe Gottes schöpfen?
- Wie erlebe ich im Kleinen – oder auch weniger Kleinen – den Übergang vom Tod zur Auferstehung? 

Tobias Häner, Köln 


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