Interkultureller Frauentreff

Hall in Tirol: Seit über 10 Jahren gibt es den internationalen Frauentreff. Ein wichtiger Baustein zur Integration und zum interreligiösen Dialog.

Hermine Schmölz aus Hall in Tirol erzählt: “Vor etwa zehn Jahren ist mir aufgegangen, dass es an der Zeit war, etwas für die Integration der muslimischen Migranten in unserem Land zu tun, vor allem für die Frauen. Sie leben und arbeiten seit vielen Jahren bei uns, aber wir kennen uns nicht wirklich.” Hermine sprach mit Freunden darüber und gemeinsam gingen sie zum Pfarrer, um ihn um einen Raum für dieses Projekt zu bitten. Damit begann ein spannendes Abenteuer für die betroffenen muslimischen Frauen und für die am Programm arbeitende Equipe: eine evangelische Frau, drei katholische Frauen aus der Fokolar-Bewegung, drei muslimische Frauen und eine Frau, die sich zu keiner Religion bekennt. Dabei war natürlich allen klar, dass sie etwas anbieten mussten, an dem die muslimischen Frauen wirklich interessiert waren. Das wiederum war nicht ganz so einfach, da die Migrantinnen sich mit der Sprache schwer taten. Darum bemühte man sich zunächst einmal einfach um eine offene, herzliche und fröhliche Willkommensatmosphäre.

„Die Termine für unsere Begegnungen veröffentlichen wir in der Zeitung“, berichtet Hermine weiter. „So wächst die Gruppe ständig weiter. Jedes Mal machen wir etwas anderes: wir laden zum Beispiel Politiker ein, Pädagogen, Sozialarbeiter. Auch eine Hebamme und eine Ärztin teilen bei unseren Begegnungen ihr fachliches Wissen. Wir bitten alle Referenten, viel Zeit mitzubringen für das Gespräch mit den Frauen, die wir immer neu ermutigen, sich zu Wort zu melden mit den Dingen, die sie auf dem Herzen tragen. Für die Kinder gibt es im Raum nebenan ein eigenes Programm, so lernen schon die Kleinsten, einander zu begegnen. Jedes Treffen endet mit einem Buffet, zu dem die Frauen selbst beitragen. Vor jedem Weihnachtsfest bringen wir gemeinsam als interreligiöse Gruppe den Obdachlosen Geschenke und laden die muslimischen Frauen dazu ein, nun ihrerseits Kontakte zu Außenstehenden zu knüpfen. Es ist wie ein Spiel. Jedes Mal, wenn ein Kontakt zu einer Person der anderen Kultur zustande kommt, fügt man einer Kette eine weitere Perle hinzu. Am Ende des Jahres machen wir ein großes Ratespiel, wie viele Perlen wir wohl zusammen bekommen haben. Wir haben auch das Glück, uns mit Leuten der Fokolar-Bewegung aus anderen Ländern und Kulturen auszutauschen, die ähnliche Projekte aufgebaut haben. So bekommen wir immer neue Ideen. Die Frauen sind sehr zufrieden mit dieser Möglichkeit, sich besser kennenzulernen. Übrigens: Auch ihre Männer finden die Sache sehr gut.“