Wort des Lebens Juli 2026

„Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht.“ (Matthäus 13,23)

Matthäus hat im dreizehnten Kapitel seines Evangeliums verschiedene Gleichnisse zusammengestellt. Sie zeigen in unterschiedlichen Bildern, wie das Himmelreich ist, jenes Leben, das Gott den Menschen schenken möchte. Damit die Botschaft ankommt, benutzt Jesus Vergleiche aus dem alltäglichen Leben, die den Menschen damals sehr vertraut waren. Das „Wort des Lebens“ ist dem Gleichnis vom Sämann entnommen, der seine Samenkörner großzügig aus der vollen Hand ausstreut. Er lässt sich dabei nicht von den widrigen Bedingungen beeindrucken - manche Körner werden von den Vögeln gefressen, andere fallen auf den Weg, felsigen Boden oder unter Dornen; einige fallen auch auf guten Boden.

Gottes Wort ist für alle Menschen

Die Gleichnisse hat Jesus allen erzählt, die mit ihm unterwegs waren, egal ob sie diese verstanden oder nicht. Erklärt hat er sie dann nur seinen engsten Freunden, weil die nachfragten. Im Gleichnis vom Sämann – so Jesus - geht es um das Wort Gottes. So großzügig wie der Sämann die Körner aussät, so großzügig erzählt Jesus allen von Gott und seinem Reich. Dabei macht er keine Unterschiede: Er will, dass alle davon erfahren und mit diesem Leben in Berührung kommen. Entscheidend ist die innere Bereitschaft, Gottes Wort aufzunehmen, es zu hören und zu verstehen.
    Aber die Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf die Botschaft. Manche nehmen das Wort begierig auf und bleiben Gott auf der Spur, andere sind begeistert, doch die Begeisterung verfliegt, und manchen ist das Wort gleichgültig. 
    Mir scheint hier schon eine erste Einladung aus diesem „Wort des Lebens“: Wie geht es mir mit dem Wort Gottes? Bin ich bereit, es zu hören? Nehme ich mir Zeit dafür?

Gottes Wort aufnehmen

Roger Schutz, der Gründer der Gemeinschaft von Taizé (1915 - 2005), hat einmal gesagt und ermutigt: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist, aber lebe es!“
    Wenn Menschen sich vom Wort Gottes ansprechen lassen, bleibt dies nicht ohne Folgen. Das haben auch viele Menschen in der Fokolar-Bewegung erfahren, die ihr Leben vom Wort Gottes prägen lassen. Das gehört zu den Ur-Erfahrungen ihrer Gemeinschaft: Chiara Lubich hat angefangen, mit ihren ersten Gefährtinnen einen Abschnitt aus der Bibel zu lesen. Sie haben versucht, das Wort zu verstehen und ins Leben umzusetzen. So haben sie eine begeisternde Entdeckung gemacht: „Die Worte Jesu im Evangelium sind einzigartig, faszinierend, einprägsam; man kann sie leben; sie sind Licht für jeden Menschen dieser Erde, sie sind universell, sie gelten allen.“
    Auch für mich ist das Wort Gottes zu einer sprudelnden Quelle geworden, immer neu und immer lebendig. Dabei sind es oft gar nicht die einzelnen Worte, die mich faszinieren,  sondern dass ich darin einer lebendigen Wirklichkeit begegnen kann: Gott und seinem Leben. Da ist Licht, Fülle, Orientierung.
    Hören und verstehen gehören in diesem „Wort des Lebens“ zusammen. Manche Worte der Schrift sprechen mich sofort an, andere sind herausfordernd, nicht so leicht verständlich. Manchmal muss ich sie lange mit mir tragen, mich mit anderen darüber austauschen, um Erklärung bitten, und manchmal finde ich einen Zugang, wenn ich einfach anfange zu leben, was ich verstanden habe.
    Eine zweite Einladung: Gibt es ein Wort, das mich begleitet oder herausfordert? Setze ich mich damit auseinander? Suche ich das Gespräch darüber?

Gottes Wort verändert

Menschen, die beginnen, das Wort Gottes zu leben, berichten von Mut und Kraft in schwierigen Situationen. Davon, wie erfinderisch sie für andere da sind. Das Wort begleitet sie durch ihr Leben, überall. Dietrich Bonhoeffer drückt dies so aus: „Wo Gottes Wort bei mir ist, finde ich in der Fremde meinen Weg, im Unrecht mein Recht, in der Ungewissheit meinen Halt, in der Arbeit meine Kraft, im Leiden die Geduld.“
    Gottes Wort bringt Frucht. Einzig notwendig sind Menschen, die sich darauf einlassen. Das ist die faszinierende Zusage dieses „Wort des Lebens“.

    Regina Ingelmann, Hannover

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